Gedanken zum 9. Sonntag nach Trinitatis

 Riskier was, Mensch!

 

09. August 2020

 

Welche Sicherheiten habe ich? Womit kann ich rechnen? Oft ist mir mein Leben undurchsichtig. Dann will ich nichts riskieren, einfach nur dahinleben… Doch der 9. Sonntag nach Trinitatis beunruhigt.

 

Wer sich auf Gott einlässt, muss auf Überraschungen gefasst sein – wie Paulus, dessen Werte durch die Begegnung mit Jesus auf den Kopf gestellt werden, wie Jeremia, der sich für zu jung hält und trotzdem zum Propheten berufen wird, und der Mann, der auf einen Schatz stößt und spontan seinen ganzen Besitz dafür verkauft. Nur wer etwas riskiert, sich ganz auf das Wagnis mir Jesus Christus ausrichtet, wer seine Gaben Gott und den Menschen zur Verfügung stellt, der wird letztlich reich dastehen. Welch ein Paradox: Nur wer sich nicht auf weltliche Sicherheiten verlässt, dessen Lebenshaus steht auf festem, sicherem Grund.

 

Gebet

Herr Gott, himmlischer Vater, du nimmst Menschen in deinen Dienst. Wir bitten dich: Gib, dass wir uns deinem Ruf nicht entziehen, wenn du uns brauchst. Lass uns das Ziel im Auge behalten, das du uns setzt. Durch unsern Herrn Jesus Christus.
Amen.

 

Eingangslied EG 295,1-4 „Wohl denen die da wandeln“

 

Evangelium: Matthäus 13, 44-47

Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.
Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

 

Predigt

 

Liebe Gemeinde,

Wie kommt man eigentlich zu seinem Glauben?

Im Rahmen der Vorbereitungen auf die Arbeit in Tansania, war ich Anfang der 90er für einige Monate in England – genauer gesagt in Bermingham in einem internationalem College, zusammen mit Menschen aus aller Welt und den unterschiedlichsten Konfessionen.

Irgendwann fragte mich mal ein Student aus Nordirland, der selber der viertgrößten Kirche dort - der methodistischen Kirche angehörte: "Warum bist Du eigentlich Evangelisch-Lutherisch geworden?"

Nun ich sage es ganz ehrlich – auf diese Frage war ich nicht vorbereitet.

Eigentlich hätte er mich auch fragen können: "Warum bist Du eigentlich ein Mann?".

Was will ich damit sagen – ich gehöre zu denen, die in ihren Glauben hineingeboren und von klein auf nach und nach hineingeführt wurden.
Einer von denen, die ganz selbstverständlich jeden Sonntag in den Kindergottesdienst gegangen sind.
Denen dann im Konfirmandenunterricht viele Bibelgeschichten und Lieder schon vertraut waren, und die dann irgendwann gespürt haben, dass diese Regelmäßigkeit eine Sicherheit im Leben bietet.
Vielleicht gehören Sie aber auch zu denen, die erst ein einschneidende
s Erlebnisses benötigt haben um festzustellen, dass Gott an Ihrer Seite steht.
Das Erlebnis
großen Glücks oder auch eine tiefe Krise in ihrem Leben.
Auf einmal wurde die Bindung an Gott, die bis dahin kaum eine Rolle spielte, zum wichtigsten Halt in Ihrem Leben.

Egal wie Sie zum, Glauben gefunden haben, heute sind Sie hier. Sie haben Gottes Ruf gehört. Sie haben bei ihm Halt gefunden.

Der für heute vorgesehene Predigttext erzählt auch von so einem Weg zum Glauben. Am Beginn des Buches Jeremia lesen wir über den Propheten folgendes:

Und des HERRN Wort geschah zu mir: „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.“
Ich aber sprach: „Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.“
Der HERR sprach aber zu mir:“ Sage nicht: „Ich bin zu jung“, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR“.
Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: „Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.“

Einen großen Auftrag bekommt Jeremia hier aufgeladen, und zu Recht wehrt er sich gegen diesen Auftrag, an dem er fast zerbricht.
Aber, wie so oft – oder eigentlich immer, Gott schenkt ihm zuerst sein Vertrauen, indem er Jeremia sagt: Ich kannte dich schon bevor Du überhaupt geboren wurdest – sprich Du bist mir so wichtig, dass ich deinen Weg von Anfang an begleitet habe.
Und dessen können auch wir uns gewiss sein, bevor Gott etwas von einem Menschen erwartet, steht die Zusage. Ich habe dich im Blick. Du bist mein geliebtes Kind. Ich sorge für dich.

Nach dieser Zusage folgt dann auch unmittelbar der Auftrag für Jeremia: Du sollst Prophet sein. Nicht nur für Israel sondern für alle Völker.

Jeremia
war ein aufmerksamer Beobachter seiner Zeit. Er wusste vom Untergang des Nordreich Israels 150 Jahre zuvor. Wie sich damals die Könige über den Rat der Propheten hinweggesetzt haben. Wie sich Schmeichler und Schönredner gegen die kritischen Stimmen durchgesetzt haben. „Wir sind das Gott erwählte Volk“, so haben sie behauptet, „uns kann nichts passieren“.

Das hört ein König gern. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nur das die Propheten im Umfeld der Mächtigen heute meist Wirtschaftsforscher genannt werden und vor einigen Monaten kamen noch die Virologen dazu.

Jeremia kann zusehen, wie sich das Schicksal Israels in Juda wiederholt. Ein kleines noch dazu politisch zerstrittenes Land versucht sich außenpolitisch zu profilieren.
Wie schon gesagt -Jeremia ist ein guter Beobachter. Er weiß, dass jeglicher Versuch mit Außenpolitik von inneren Problemen abzulenken, ein aussichtsloses Unterfangen ist, und er weiß auch, dass sich Gott nicht für die Interessen der Menschen einspannen lässt, auch nicht für die Machtspiele eines schwachen Königs.

Um dieser für ihn aussichtslosen Situation zu entkommen, tut Jeremia das eigentlich einzig richtige, er sucht nach einem Weg, um aus diesem Auftrag heraus zu kommen. „Gott, ich kann doch gar nicht predigen“, sagt er. „Ich bin dazu viel zu jung. Niemand wird auf meine Stimme hören. Such dir doch einen, der eine Chance hat, deinem Wort das nötige Gewicht zu verleihen!“

Kennen Sie diese innere Stimme?
Mir zumindest ist
sie sehr vertraut. Ich erkenne oft ganz gut, was vielleicht zu tun ist. Politisch, wirtschaftlich und erst recht in Fragen des Glaubens. Doch wenn es an die Umsetzung geht, kommen die Zweifel.

  • Was erreiche ich schon?
  • Was nützt es, wenn ich meinen Anteil an Klimagasen reduziere, wenn die großen Verschmutzer in Amerika und China nicht mitmachen?
  • Was nützt es, wenn ich Produkte aus fairem Handel kaufe, wenn ich mehr Geld ausgebe, damit die Produzenten in den Herkunftsländern einen fairen Lohn erhalten, wenn gleichzeitig die Discounter die Preise für den Massenmarkt noch weiter drücken?

Herr, ich bin zu jung, ich bin zu alt, ich bin zu unbedeutend. Ich kann nicht dein Prophet sein.

Ein zweites Mal richtet Gott seine Stimme an Jeremia. Fürchte dich nicht. Rede dich nicht heraus. Ich habe dich erwählt. Ich kenne dich, ich weiß um deine Grenzen. Aber ich weiß auch, warum ich dich ausgesucht habe.
Du kannst dir sicher sein, dass ich dich begleite. Dir wird nichts geschehen. Du sollst ja nicht aus eigener Kraft tätig werden, sondern mein Sprachrohr sein. Ich werde dir die richtigen Worte in den Mund legen.
Es ist nicht bequem von Gottes Wort zu erzählen. Davon, dass Geld, Macht und Karriere nicht das Wichtigste im Leben
ist.
Immer höher immer weiter und dem gegenüber dann auch immer billiger. Dabei muss man kein Prophet sein, um zu sehen, dass es auf die Dauer nicht funktioniert, die Preise immer weiter zu senken. Wenn es nicht mehr lohnt, Menschen zu beschäftigen, um etwas herzustellen, dann wird es irgendwann niemanden mehr geben, der es sich leisten kann einzukaufen.
Wohin die ständige Preissenkung führt erleben wir derzeit ganz massiv in der Fleischproduktion.
Unlängst habe ich einen Bericht im Fernsehen verfolgt, wo gezeigt wurde wie Wurst mit Eiweißpulver, hergestellt aus Schlachtabfällen und Eiswürfeln so gestreckt werden kann, dass der Fleischanteil am Ende gerade noch mal 65% beträgt?!

Wir alle wissen, dass wir Menschen aufeinander angewiesen sind. Jeder noch so kleine Beitrag für eine menschlichere Welt wird gebraucht.

Wir Christen dürfen darauf vertrauen, dass Gott uns – durch Menschen und Ereignisse – dorthin führt, wo wir gebraucht werden,

  • wo wir mit Worten und Taten Anstöße zu einem Leben im Sinne Gottes geben können,
  • wo wir helfen können,
  • wo wir ermutigen und trösten,
  • wo wir Gutes anregen und Schlechtes verhindern helfen können,
  • wo wir – um es mit den Worten aus dem Buch Jeremias zu sagen – »bauen und pflanzen« können.

Wie Jeremia auch, frage ich mich natürlich manchmal, ob ich dafür der Richtige bin.
Denn mit meinen Worten verletze ich auch. Manchmal errichte ich Mauern anstelle von Brücken. Nicht mit Absicht.
Wenn dann eher aus Unachtsamkeit oder Oberflächlichkeit.
Umso mehr vertraue ich darauf, dass Gott Wege findet, das, was er durch Menschen angestoßen hat, auch durch Menschen zum Ziel zu führen. »Zufall«, mag manch einer sagen.
»Gottes Segen«, sagt … der Glaube.
Aus diesem Glauben heraus sind Sie und ich berufen an jeweils unsrem Platz von Gottes Welt zu erzählen.
Mit Taten und Worten. Unser Zeugnis mag uns schwach und unbedeutend vorkommen, aber es ist Gottes Weg, um diese Welt zu verändern. Sie und ich sind Teil seines Plans diese Welt zu heilen.
Fürchte dich nicht; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.
Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, Amen.

 

Fürbittengebet

Vater im Himmel, du vertraust uns vieles an, andere Menschen, diese Welt, deine Kirchen.

Wir bitten dich für die Mitarbeitenden in den Kirchen: Gib allen, die in Diakonie und Caritas, in Kindergärten, in Gruppen und Kreisen arbeiten, dass sie mutig und liebevoll weitergeben, was sie an Liebe empfangen haben und sie so vermehren.

Wir bitten dich für alle, die Verantwortung in Politik und Wirtschaft tragen: Gib ihnen Mut, für Frieden und Versöhnung einzutreten. Hilf ihnen, auch dann gerecht zu handeln, wenn es wirtschaftlichen Überlegungen zu widersprechen scheint.

Wir bitten dich für die Krisenregionen dieser Welt: Gib, dass die Politiker und Verantwortlichen zur Mäßigung und zum Ausgleich beitragen. Schenke Frieden und Versöhnung!

Wir bitten alle, denen es schwer fällt, ihre Gaben einzusetzen, weil sie zu schwach sind, weil sie an sich und ihren Talenten zweifeln, weil sie traurig oder ängstlich sind: Sei ihnen nahe; lass sie spüren von deiner Liebe, und deiner Kraft.

 Für die Augenblicke in unserem Leben wo es uns gelungen ist, unsere Talente für andere Menschen einzusetzen, da wo wir es geschafft haben in einem liebevollen und respektvollen Umgang zu teilen, dafür wollen wir Dir in der Stille danken.

Herr, schenke uns allen einen fröhlichen Glauben, mit dem wir mutig und zuversichtlich leben können. Durch Jesus Christus unsern, Herrn
Amen

Vaterunser...

Segen

Der Herr segne uns und behüte uns.
Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig.
Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns + Frieden.

Amen.

 

Wochenspruch:

"Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern." Lukas 12,48

 

 

Wir wünschen Ihnen einen schönen Sonntag und eine gute Woche!

 

 

 

Gedanken zum 7. Sonntag nach Trinitatis

 Abendmahl: Gott stillt Hunger